Geschichte

Wilmersdorf und seine ersten Lehrer

Das einstige Dorf Wilmersdorf befand sich dort, wo heute die Wilhelmsaue liegt. Die Grünanlagen markieren die Ausdehnung sehr genau.

Erste urkundliche Erwähnung fand das Dorf 1293, nachdem es bereits 1237 mit anderen umliegenden Ortschaften des Kreises Teltow dem Bischof von Brandenburg unterstellt wurde. Zu den Bewohnern gehörten überwiegend Bauern. Zudem gab es die Kossäten („Die in den Katen sitzen"), die den Bauern halfen oder Dienst auf dem Herrenhof leisteten. Noch im Jahr 1856 bestand Wilmersdorf im Wesentlichen aus der Dorfstraße, der jetzigen Wilhelmsaue und der nördlichen Seite der Berliner Straße. An der Aue standen Kirche und Schule. Hier wohnten alle Bauern und Kossäten. Die Schulbildung der bäuerlichen Bevölkerung Wilmersdorfs war noch am Anfang des 19. Jahrhunderts so gering, dass einige Bauern Verträge mit drei Kreuzen unterschreiben mussten. Die Kinder wurden vom Dorfküster unterrichtet. Erst 1872 erhielt der Staat die Oberaufsicht über die Schulen.

Die ältesten Wilmersdorfer Schulnachrichten stammen aus dem Jahre 1875 in einem Bericht über den alt und dienstuntauglich gewordenen Küster Grunow an das Amt Mühlenhof. Es herrschte schon allgemeiner Schulzwang für Kinder vom 5. – 12. Lebensjahr. Geregelter Unterricht war jedoch auf dem Lande kaum möglich. Die Kinder mussten oft bei der Ernte oder bei Tätigkeiten in Haus und Hof helfen. Der Unterricht beschränkte sich damals noch auf Religion, Lesen, Schreiben und Rechnen.

Nachfolger Grunows wurde Lehrer Martin Busack, der bis zu seinem Tod 1813 in Wilmersdorf blieb. Zu der Zeit befand sich das Schulhaus in einem erbärmlichen Zustand. Das Schulzimmer war zugleich Wohnstube, Kochstube und Schlafstube und dadurch so eng, dass 15 – 20 Schüler nur mühsam Platz fanden. Zum Nachfolger Busacks wurde sein Sohn bestellt, der wiederum bis zu seinem Tod im Jahr 1855 im Amt blieb. 122 Kinder wurden inzwischen unterrichtet, was die Einstellung eines zweiten Lehrers nötig machte.

1855 kam Lehrer Christian Schulz nach Wilmersdorf. Aufgrund seiner Initiative wurden die Volksbibliothek und der Gesangsverein Concordia gegründet. Die Zahl der Schüler wuchs beständig. Es gab im Jahr 1890 bereits 582 Schulkinder in 9 Klassen, die von 9 Lehrern unterrichtet wurden. 1907 waren es schon 7 höhere Schulen mit 97 Klassen und 3409 Schülern sowie 5 Gemeindeschulen, eine Übungs- und eine gewerbliche Fortbildungsschule mit 135 Klassen und 5718 Schülern. Zu diesem Zeitpunkt war Deutsch-Wilmersdorf aus dem Kreis Teltow ausgeschieden. Das Dorf erhielt am 13.10.1906 das Stadtrecht.